Zur Erinnerung – Peter Paul Zahl

Der Kinderbuchverlag seines Vaters trug seinen Namen (3)

sind sie
fragte der zöllner
in staten island
nadelöhr zum paradies
für emigranten
sind sie mitglied
der kommunistischen partei
oder einer ihrer unterorganisationen?

aber nein!
sagte bakunin
und lachte laut (1)


Hierzulande fast unbemerkt, verstarb am 24. Januar 2011 in seiner jamaikanischen Wahlheimat der anarchistische Schriftsteller und Verleger Peter Paul Zahl (PPZ). Geboren wurde Zahl vor genau 66 Jahren – am 14. März 1944 in Freiburg im Breisgau. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Feldberg in Mecklenburg-Strelitz. PPZs Vater, Paul Zahl, war ein Sohn des ehemaligen Feldberger Bürgermeisters. Nach dem Krieg eröffnete er in der Stadt am Schmalen Luzin einen Verlag, der sich schnell zum zweitgrößten privaten Kinderbuchverlag in der entstehenden DDR entwickelte. Der Peter-Paul Verlag brachte über zwanzig anspruchsvolle Kinderbücher heraus, ehe die Familie 1953 erneut ihren Wohnsitz wechseln musste. So wurde auch Peter Paul Zahl aus seiner kurzen aber glücklichen Kindheit in Mecklenburg-Strelitz herausgerissen – jedoch besuchte er bis zuletzt noch ab und an die Stätten seiner Kindheit. In dem 1996 erschienenen kleinen Buch „Heimat, eine Plombe“ (2) findet sich ein Essay Peter Paul Zahls, in dem dieser seine Kindheitserinnerungen an Feldberg aufgreift.
Im Westen Deutschlands gestaltete sich das Leben weniger sonnig, als es Peter Paul Zahl in Mecklenburg erschienen ist. Er erlernte den Beruf des Offsetdruckers und wurde daraufhin, wie sein Vater, ebenfalls Verleger. In den stürmischen sechziger Jahren ging PPZ nach Kreuzberg in Westberlin. Hier wurde man nicht zur Bundeswehr gezogen – und so umging er gleich vielen die Wehrpflicht. Bald darauf gründete PPZ eine Druckerei und begann sich an der wachsenden Protestbewegung zu beteiligen. Schon bald folgte eine erste Verhaftung – ihm wurde vorgeworfen ein Plakat zur Unterstützung der RAF gedruckt zu haben. Tatsächlich war er an manchem Geschehen am Rande der Legalität beteiligt. So half er während des Vietnam-Krieges schwarzen Deserteuren der US-Armee bei der Flucht nach Skandinavien – wo es zur damaligen Zeit Möglichkeiten für ein Asyl von akut gefährdeten Personen gab. Nachdem Peter Paul Zahl bei einer Polizeikontrolle in eine Schießerei verwickelt wurde, folgte eine lange Haftzeit.  Die Gefängnisjahre nutzte er für eine ausgiebige schriftstellerische Tätigkeit – in dieser Zeit schrieb er auch seinen erfolgreichsten Schelmenroman „Die Glücklichen“ – der eine ganze Generation prägte. Aus dem Gefängnis entlassen, begab sich PPZ auf Wanderschaft – über Grenada, Nicaragua, die Seychellen und Italien verschlug es ihn nach Jamaica, wo er seinen Lebensabend an der Küste der Karibik verbrachte. Nachdem ihm die deutsche Botschaft im Jahre 2002 die Staatsbürgerschaft entzog, klagte er gegen diesen Beschluss und konnte zwei Jahre später seine Wiedereinbürgerung erreichen. In den letzten Jahren wurde es ruhig um PPZ. Er schrieb jetzt vor allem Kriminalromane, doch einen Verleger zu finden gestaltete sich immer schwieriger. Die Vermietung einer Ferienwohnung auf Jamaica ermöglichte ihm einen kleinen Zuverdienst.
Im Januar erlag er einem Krebsleiden.

Quellenangaben und Fussnoten:
Freiheit und Glück! – die Homepage von Peter Paul Zahl:
http://www.ppzonline.de/

(1)löcher im schleppnetz – ein Gedicht aus: Peter-Paul Zahl: Aber nein, sagte Bakunin und lachte laut, Gedichte, S. 32, Rotbuch-Verlag, Berlin 1983 (ISBN 3 88022 2754)
(2) – Parin, Paul: Heimat, eine Plombe, Rede am 16. November 1994 beim 5. Symposium der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft für Literatur und Sprache in Wien zum Thema „Wieviel Heimat braucht der Mensch und wieviel Fremde verträgt er“; mit einem Essay von Peter Paul Zahl: Die Stätten meiner Kindheit, S. 19-63, Herausgegeben von Sabine Groenewold, EVA-Reden Bd. 21, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1996 (ISBN 3-434-50121-5)
(3) – Einbandgestaltung des 1952 im Peter-Paul Verlag in Feldberg erschienenen „Reinecke der Fuchs“. Über den Peter-Paul Verlag gibt es bisher nur wenige Publikationen. Einen guten Überblick gibt der in dem „Mecklenburg-Magazin“ Nr. 9, April/Mai 1998 erschienene Artikel von Ulrike Bendig: „Der Peter-Paul-Verlag, Ein Kinderbuchverlag aus Mecklenburg“.

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8 Antworten zu Zur Erinnerung – Peter Paul Zahl

  1. Djameela schreibt:

    Thanks you! from D. Zahl

  2. nadeschda schreibt:

    sein Lieblingsbuch aus dem Verlag war R. Fuchs, was eigentlich sonst?

  3. mecklenburgstrelitz schreibt:

    Sonst? Gab es denn auch „Nichtlieblingsbücher“ aus dem Verlag?

    • Nadeschda Sternhagen schreibt:

      PP hat kein Buch aus dem Verlag seiner Eltern erwähnt, dass er nicht mochte. Aber speziell erwähnt hat er mir gegenüber eben diesen listigen Fuchs.

      Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, dass wir miteinander in Kontakt kommen können?
      Ich sah gerade, dass wir 2 Töchter hier als einzige bisher Kommentare hinterliessen…Dj kommt nächste Woche nach D! …

      Viele liebe Grüsse und wirklich herzlichen Dank für die Mühe um Erinnerungen an unseren Vater und den Kinderbuchverlag wachzuhalten von Nadeschda

  4. mads schreibt:

    Die Verwandten und Freunde meines Bruders im Geiste, Lehrers und Förderers Peter Paul, dessen Texte mich seit meiner Jugend begleiten, sind mir im Wendland stets willkommen.
    mads

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