Karl Fischer – Bibliographie

Als Ergänzung zu dem Artikel „Auf Wiedersehen“ folgt hier die bibliografische Vorstellung einiger Werke Karl Fischers. Viele seiner Manuskripte schlummern jedoch bis heute im Verborgenen – wobei ein Großteil von dem Archiv für Christlich-Demokratische Politik in Sankt Augustin beherbergt wird. Dennoch – es wird Zeit sie der Vergessenheit zu entreißen. Pastor Fischer hätte sich selbst gern als einen „deutschen Chesterton“ gesehen. G.K. Chesterton versuchte ebenfalls eine katholische Sichtweise über eine offene, leicht verständliche Sprache seinem Publikum zu erschließen – nur gelang ihm dies weitaus besser. Jedoch ist sein Einfluss vor allem bei Karl Fischers Novellen – angefangen mit den „Nächten der Wirrnis“ und fortgesetzt in „Begegnungen mit dem Unheimlichen“ deutlich zu erkennen. Das Motiv der Schöpfungsgeschichte – welches Chesterton in seinem wohl bekanntesten Roman „Der Mann der Donnerstag war“ verarbeitete – taucht bei Fischer ebenfalls auf. Ist es bei Chesterton eine mit autobiografischen Zügen versehene anarchistische Verschwörung, welche sich als skurilles Wirrwar entpuppt – so widmet sich Fischer in „Das Werk der sieben Tage“ der Tätigkeit eines katholischen Pfarrers in der Diaspora – mit ebenfalls starken autobiografischen Anleihen. In der entstehenden DDR begann Fischer immer mehr Zugeständnisse an die herrschende Ideologie zu machen. Seine biografischen und autobiografischen Veröffentlichungen sind fortan stark davon geprägt. Die folgende Bibliografie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird aber mit der Zeit ergänzt werden.
die Redaktion

Fischer, Karl: Begegnungen mit dem Unheimlichen, Eine Buchreihe junger Autoren, enthält: Begegnung mit dem Unheimlichen, Die Moorlöcher, Kampf um eine Mumie, Die Geschichte von den drei Bindfäden, Gut Pepermöhl Diese im Chesterton-Stil verfasste Novellen, bieten eine spannende Lektüre aus den Gebieten des Aberglaubens, des sozialen Verbrechens und der Liebe. Sie bilden die Fortsetzung zu den „Nächten der Wirrnis“.
Verlag Neues Werden
1. Auflage: Berlin 1947

Fischer Karl: Das Werk der sieben Tage, Die Genesis einer Gemeinde
Beschreibung der Tätigkeit eines angehenden katholischen Pastors in Prebentin (analog zu seiner eigenen Tätigkeit in Güstrow), welcher in der Diaspora mühsam seinen Platz erringen muss. Vor allem die Kommunisten machen ihm das Leben schwer, so dass er seine Ausrichtung auf eine Einigung der religiösen mit der nationalen Bewegung einstellt

Druck und Verlag Bonifacius-Druckerei
1. Auflage: Paderborn 1931 (1.-3. Tausend)

Vischer, Georg Alfred (d.i. Karl Fischer): Hamlet auf den Barrikaden,
Beschreibung eines unbedarften Arbeiters, der unvermittelt in einen sich zum Aufstand ausweitenden Streik hineingerät (Handlung spielt in Hamburg oder Bremen), dabei von zwiespältigen Gefühlen zerrissen wird und entsprechend handelt. Aus dem armen perspektivlosen Arbeiter wird am Ende des Buches ein angehender Gutsbesitzer
Heitz & Cie
1. Auflage: Leipzig, Strassburg, Zürich 1931 (1. Tausend)

Vischer, Georg Alfred (d.i. Karl Fischer) : Nächte der Wirrnis – unheimliche Geschichten, enthält: In Nacht und Nebel, Geschichte von einem Projektionsapparat und einem Ehrenmanne, Die Geschichte von einem hölzernen Fernrohr und einer unmöglichen Weltanschauung, Die Geschichte von der Leiter und dem autonomen Menschen diese vier Kurzgeschichten sollten die Vorstellung vom „autonomen Menschen“ widerlegen.
Matthias-Grünewald-Verlag (ehemaliger Verlag Hermann Rauch)
1. Auflage: Wiesbaden 1935 (1. – 3. Tausend)

Fischer Karl: Über Abgründe hinweg, Ein Pastor berichtet, Autobiographie Fischers bis 1945. Nach der Studie von Bernd Schäfer (s.u.) ist diese mit zahlreichen Übertreibungen und falschen Behauptungen versehen – vor allem was die Tätigkeit Fischers in der Zeit des Nationalsozialismus betrifft.
VOB Union Verlag
1. Auflage: Berlin 1963

In Anthologien:

Christlicher Widerstand gegen den Faschismus, Bibliothek der CDU, Band IV, darin: Fischer, Karl: Der Widerstand der Kirchen (S. 7-8 kurze Einleitung, mit einer kurzen Vorstellung des kirchlichen Widerstandes gegen den Faschismus), Pastor Werner Sylten (S. 53-54 Beitrag zu dem ehem. Leiter des Evangelischen Mädchenerziehungsheims in Köstritz, der am 16.08.1942 in Dachau ermordet wurde), So sterben seine Helden: Karl-Friedrich Stellbrink (S. 55-58 Beitrag zu dem am 10.11.1943 hingerichteten evangelischen Pastor aus Lübeck), Löscht die Studierlampe aus! – Emil Fuchs (S. 73-76 Beitrag zu Professor Emil Fuchs, welcher nach dem Krieg Professor für Systematik und Religionssoziologie in Leipzig wurde), Kämpfer des guten Kampfes – Bernhard Lichtenberg (S. 77-81 Beitrag zu dem Domprobst von St. Hedwig in Berlin, welcher nach einer langen Haftstrafe am 05.11.1943 verstarb), Von den Seinen verraten – Alfons-Maria Wachsmann (S. 91-95 Beitrag zu dem am 21.02.1944 hingerichteten katholischen Pfarrer von Greifswald), Täter des Wortes – Pastor August Froehlich (S. 101-105 Beitrag zum katholischen Pfarrer von Rathenow, welcher am 22.06.1942 in Dachau umkam), Ein Priester wird zur Strecke gebracht – Bernhard Schwentner (S. 106-119 Hintergründe zu der Hinrichtung des Neustrelitzer katholischen Pfarrers Dr. Schwentner durch die Nationalsozialisten), Der Fall Stettin (S. 122-130 Beitrag zu jener Provokation, die zur Hinrichtung von u.a. drei Geistlichen am 13.11.1943 in Halle führte: Kaplan Simoleit, Pater Friedrich Lorenz und Prälat Lampert), Eine internationale Widerstandsgruppe (S. 131-137 Bericht über Fischers angebliche und tatsächliche Tätigkeit in Neubrandenburg ab 1939 bis zu seinem „Abtauchen“ am 16.02.1943), Episoden (S. 138-147 Episoden aus der Zeit von Fischers Illegalität – in Hamburg und Berlin), Kleine Kämpfer (S. 143-147 Episoden aus Fischer Illegalität – in Berlin und Reichenhall sowieso Schilderungen von kleinen Aktionen von Jugendlichen bei der Hilfe für Zwangsarbeiter – im Inhaltsverzeichnis des Buches nicht angeführt)
Union Verlag
1. Auflage: Berlin 1955

Katholisches Leben in der Deutschen Demokratischen Republik, Beitrag von Karl Fischer: „Ein offenes Wort!“ (S. 6-15, zum deutschen Katholikentag in Berlin, Versuch westliche Confratres für eine positive Sicht auf die DDR zu gewinnen, enthält drei Fotos mit Karl Fischer während der Fronleichnamsprozession in Neustrelitz)
Zentraler Christlicher Arbeitskreis für den Frieden
1. Auflage: Berlin 1952

Schlaglichter, das christliche Deutschland 1933 bis 1945, Katholische Reihe, Heft 8, Hg. Dr. Konrad Hofmann, Kapitel: Pastor Karl Fischer: Eine Weihnachtskommunion unter Stockschlägen, (S. 23-25, Bericht über den Weihnachtsgottesdienst 1939, den Pastor Fischer im Kriegsgefangenenlager Fünfeichen für polnische Häftlinge hielt)
Verlag Herder
1. Auflage: Freiburg im Breisgau 1947

Widerstand aus Glauben, Christen in der Auseinandersetzung mit dem Hitlerfaschismus, Hg. Drobisch, Klaus / Fischer, Gerhard; Kapitel: Fischer, Karl: Kampf gegen den Faschismus – Gewissenspflicht, Erinnerungsbericht (S. 42-48 Bericht über antisemitische Ausschreitungen in Güstrow, Sittlichkeitsprozesse, den späteren Polizeipräsidenten Gustav Hase – aus einem Manuskript entnommen, welches sich im Besitz von Dr. Klaus Drobisch befand. Nach Bernd Schäfer (s.u.) ist auch dieser Bericht von falschen Angaben durchsetzt)
Union Verlag
1. Auflage: Berlin 1985

Erlebte Geschichte, Von Zeitgenossen gesehen und geschildert, Erster Teil: Vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Hg. Günter Albrecht unter Mitarbeit von Wolfgang Hartwig und Barbara Albrecht; Kapitel: Fischer Karl: Schloßherren und Schnitter, (S. 285-289 Beschreibung der Situation in Mecklenburg während der Weimarer Republik in Bezug auf Gutsherren und polnische Schnitter)
Verlag der Nation
1. Auflage: Berlin 1967

über Karl Fischer:

Schäfer, Bernd: Priester in zwei deutschen Diktaturen. Die antifaschistische Legende des Karl Fischer (1900-1972), in Historisch Politische Mitteilungen (HPM), Heft 7 / 2000, S. 53 – 78 sowie in Zeitgeschichte regional, Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Koch, Bd. 6 / 2002, 1, S. 69 – 80, ISSN 1434 – 1794
Widerlegung der „antifaschistischen Tätigkeit“ von Karl Fischer, Darlegung, dass Grund für sein „Abtauchen“ im Jahre 1943 nicht antifaschistische Tätigkeit war, sondern ein Verfahren wegen Homosexualität. Wobei der von Fischer behauptete Grund der „versuchten Anwerbung durch die Gestapo“ nicht plausibel widerlegt wird. In der DDR wird seine gesellschaftliche Tätigkeit unter die Lupe genommen – darunter auch die Zuarbeit für die Staatssicherheit. Die Studie verdient durch ihre stark suggestive Darstellung ebenfalls eine kritische Betrachtung.

Gymnasium Carolinum, 9. Klasse: Pastor Karl Fischer – ein Held der Widersprüche, Beitrag 20091037, Preisträger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/2009 die Schüler haben in ihrem Beitrag die Rolle Karl Fischers als „Held“ hinterfragt, wobei sie sich im Wesentlichen auf die Studie Bernd Schäfers stützten.

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